Das literarische Romandebüt von Joachim B. Schmidt

All diese Gerüchte und halbwahren Geschichten; die abgelegenen Westfjorde Islands sind voll davon. Vielleicht ist es das Zwielicht über den tiefen Fjorden oder die endlos langen Winternächte, welche die wenigen Bewohner gelegentlich den Verstand verlieren lassen.
Da gibt es diesen Grímur aus Bolungarvík, ein wilder Bastard, der mit seiner Mutter etwas abseits in einem kleinen Häuschen lebt. Außenseiter, die sich um das Treiben
im Dorf nicht kümmern. In den frühen Fünfzigern taucht wie aus dem Nichts Drífa auf. Sie komme aus der Stadt und sei Grímurs Halbschwester, heißt es, und schon bald ist das kuriose Geschwisterpaar unzertrennlich. Sie kaufen sich ein kleines Boot, um damit im Djúp fischen zu gehen. Wann immer das Wetter es erlaubt, fahren Bruder und Schwester hinaus aufs Wasser.

Eines Tages kehrt Grímur alleine von der See zurück. Auf die Fragen der Beamten gibt er keine Antwort, schweigt wie ein Grab. Schuld kann ihm nie nachgewiesen werden, doch nun sind Grímur und seine Mutter noch mehr Außenseiter als zuvor.
Grímur bleibt bei seiner Mutter bis sie stirbt. Ein mürrischer Kerl, dieser Grímur, ein Einzelgänger, der auch mal dreinschlägt. Um den macht man besser einen Bogen! Als er selber alt wird und nicht mehr zur See fährt, werfen ihm die Kinder Steine und Schneebälle an sein Häuschen, legen ihm Hundekot vor die Haustüre und zerkritzeln seine Hauswände.

Lárus ist 23, er arbeitet im Altersheim von Ísafjörður als Hilfs-Hausmeister, und er verdoppelt sein Einkommen – ganz nebenbei, ganz selbstverständlich – als Drogendealer.
An einem kalten Herbsttag lenkt ein defekter Heizkörper in Zimmer 37-A Lárus’ Leben in eine neue Bahn. Denn in Zimmer 37-A lebt Grímur – »der Schlächter« – der sehnlichst auf ein baldiges Ableben hofft. Der bittere und einsame Greis erkennt in Lárus einen der Bengel, die ihm seine letzten Jahre im gelben Häuschen zur Hölle gemacht haben.

Nach anfänglich gegenseitiger Abneigung entwickelt sich über die kalten Herbstwochen hin eine sonderbar mürrische Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Alten. Denn auch Lárus ist einsam; trauen kann er als Dealer niemandem, um ihn scharen sich ausschließlich Schein-Freunde und Drogensüchtige. Eigentlich hat Lárus genug von diesem Doppelleben. Er plant den Ausverkauf; Auswandern, nach Australien oder Brasilien, egal wohin, nur weg aus den engen Westfjorden. Doch erst will er Grímur sein schreckliches Geheimnis entlocken. Darüber, was damals – vor über fünfzig Jahren – auf dem Wasser passiert ist. Doch der Alte schweigt eisern.

 

 

 

Joachim B. Schmidt
Joachim B. Schmidt

JOACHIM B. SCHMIDT, geboren 1981, wuchs in Cazis am Heinzenberg als Bauernsohn auf. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet er als Journalist, Schriftsteller und Gelegenheitsarbeiter in Island.

Von Haus aus ist Schmidt diplomierter Hochbauzeichner und Journalist, doch er verdiente sein Brot auch schon als Knecht, Gärtner, Trockenmaurer, Kellner, Hilfskoch, Molkereiarbeiter und Rezeptionist. 2010 setzte sich der Bündner mit seiner Kurzgeschichte «Stoffel wartet» gegen 3500 Konkurrenten durch und gewann den Schreibwettbewerb «Grosse Sehnsucht Schreiben». Die Kurzgeschichte erschien im Frühling 2011 in einem Sammelband des Landverlages. Joachim B. Schmidt lebt mit seiner Isländischen Lebenspartnerin und einer gemeinsamen Tochter in Reykjavik.

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